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Rückstausicherung: Funktion, Arten und Pflichten verständlich erklärt

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Eine Rückstausicherung ist ein Bauteil in der Abwasserleitung, meist eine Rückstauklappe, ein Rückstauverschluss mit Motorklappe oder eine Hebeanlage, das verhindert, dass Abwasser aus dem überlasteten Kanal bei Starkregen zurück ins Gebäude drückt. Pflicht ist sie für jede Entwässerungsstelle unterhalb der Rückstauebene, in der Praxis also für die meisten Keller. Welche Bauart die richtige ist, hängt davon ab, ob fäkalienhaltiges Abwasser anfällt und wie wichtig die betroffenen Räume sind.

Was ist die Rückstauebene?

Die Rückstauebene ist die Höhe, bis zu der Abwasser im öffentlichen Kanal ansteigen kann, in der Regel die Straßenoberkante an der Anschlussstelle. Läuft der Kanal bei Starkregen oder einer Verstopfung voll, steigt das Abwasser bis zu dieser Linie. Jede Ablaufstelle darunter, also Kellertoilette, Bodenablauf, Waschmaschinenanschluss oder Dusche im Souterrain, ist dann gefährdet und muss gesichert werden. Ablaufstellen oberhalb der Rückstauebene brauchen keinen gesonderten Schutz, weil das Wasser dort ohnehin nicht hinaufsteigen kann.

Wie funktioniert eine Rückstausicherung?

Das Grundprinzip ist bei allen Bauarten ähnlich: Abwasser darf nur in eine Richtung fließen, aus dem Haus heraus. Steigt der Druck im Kanal und will Wasser zurückfließen, schließt die Sicherung die Leitung automatisch. Sobald der Rückstau abklingt, öffnet sie wieder, und der normale Abfluss ist wiederhergestellt.

Bei der mechanischen Klappe übernimmt allein der Wasserdruck diese Aufgabe: Drückt Wasser von der Kanalseite gegen die Klappe, presst es sie in den Sitz und dichtet die Leitung ab. Bei motorisch betätigten Verschlüssen und Hebeanlagen übernimmt zusätzlich ein Sensor die Überwachung und löst den Schließvorgang oder die Pumpe elektronisch aus, was eine schnellere und zuverlässigere Reaktion erlaubt als reine Mechanik.

Welche Arten von Rückstausicherungen gibt es?

Drei Bauarten kommen in der Praxis vor, mit unterschiedlichem Aufwand und Schutzniveau. Nach DIN EN 13564 werden mechanische Rückstauverschlüsse zudem in Typen unterteilt, je nachdem, ob sie rein von Hand beziehungsweise über den Wasserdruck schließen oder über eine zusätzliche automatische Sicherung verfügen. Für die Praxis zählt vor allem, welches Abwasser anfällt und wie die Räume genutzt werden, nicht die Typenbezeichnung selbst.

BauartStrombedarfGeeignet fürSchutzniveau
Mechanische RückstauklappeKein StromFäkalienfreies Abwasser, untergeordnet genutzte RäumeGrundschutz
Rückstauverschluss mit MotorklappeStrom nötigAuch fäkalienhaltiges Abwasser, wenn die Norm es zulässtHöher, meist mit Alarmfunktion
AbwasserhebeanlageStrom nötigFäkalienhaltiges Abwasser, ständig genutzte RäumeAm höchsten, funktioniert auch während des Rückstaus

Mechanische Rückstauklappen bestehen meist aus zwei Klappen, eine davon als Notverschluss, und arbeiten rein über den Wasserdruck. Sie sind robust und wartungsarm, eignen sich aber nur für Abläufe ohne WC dahinter. Rückstauverschlüsse mit Motorklappe erkennen den Rückstau über einen Sensor und schließen elektronisch überwacht, was sie auch für fäkalienhaltiges Abwasser zulässig macht. Hebeanlagen pumpen das Abwasser aktiv über eine Schleife oberhalb der Rückstauebene in den Kanal und funktionieren deshalb selbst dann, wenn der Kanal dauerhaft ansteht. Sie sind aufwendiger, aber die sicherste Lösung für Räume, auf deren Nutzung während eines Rückstaus nicht verzichtet werden kann.

Brauche ich überhaupt eine Rückstausicherung?

Die Faustregel: Jede Entwässerungsstelle unterhalb der Rückstauebene muss gesichert sein. Das betrifft die meisten Keller mit Bodenablauf, Waschmaschinenanschluss, Kellertoilette oder Dusche. Ob eine einfache Klappe genügt oder eine Hebeanlage nötig ist, hängt davon ab, was abgeführt wird und wie unverzichtbar die Räume genutzt werden. Diese Einschätzung gehört in die Hand eines Fachbetriebs, der die Entwässerungssituation vor Ort beurteilt.

Wo im Gebäude wird die Sicherung eingebaut?

Üblicher Einbauort ist die Grundleitung im Keller, möglichst nah am Übergang zum öffentlichen Kanal und an einer Stelle, die für die spätere Wartung gut zugänglich bleibt. Bei mehreren betroffenen Ablaufstellen kann ein zentraler Rückstauschacht sinnvoll sein, der mehrere Leitungen bündelt. Wird die Sicherung an schwer erreichbarer Stelle verbaut, lässt sie sich später kaum noch warten, was den Schutz auf Dauer entwertet, auch wenn die Technik selbst einwandfrei ist.

Einbau: wie läuft er ab?

Ein fachgerechter Einbau folgt einem festen Ablauf: Zunächst wird das Abwassersystem geprüft und die Rückstauebene sowie der passende Einbauort bestimmt. Danach wählen wir je nach Abwasserart und Nutzung die geeignete Bauart und bauen sie normgerecht ein, an einer Stelle, die für spätere Wartung gut erreichbar bleibt. Zum Abschluss folgt ein Funktionstest, der prüft, ob die Sicherung sauber schließt und öffnet. Bei Bestandsgebäuden kommt vorab meist eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Leitungen hinzu, weil im Altbau nicht jede gefährdete Ablaufstelle auf den ersten Blick erkennbar ist.

Wartungspflicht

Eine Rückstausicherung schützt nur, wenn sie funktioniert. Ablagerungen, Verschleiß an Dichtungen oder eine klemmende Klappe setzen den Schutz oft unbemerkt außer Kraft. Normen und Hersteller empfehlen deshalb eine regelmäßige Wartung, in der Regel zweimal jährlich, mit Reinigung, Funktionsprüfung und dem Austausch verschlissener Teile.

Das Tückische an einer vernachlässigten Wartung: Die Sicherung sieht von außen meist unauffällig aus, selbst wenn sie durch Ablagerungen oder eine poröse Dichtung längst nicht mehr zuverlässig schließt. Der Ausfall zeigt sich erst im Ernstfall, wenn Wasser durch die eigentlich geschützte Leitung zurückdrückt. Ein dokumentiertes Wartungsprotokoll ist deshalb nicht nur für die Versicherung wichtig, sondern der einzige verlässliche Beleg dafür, dass die Sicherung tatsächlich funktioniert. Details zu Ablauf und Intervallen lesen Sie im Beitrag Wartung von Rückstausicherungen.

Versicherung: kurz erklärt

Viele Gebäude- und Hausratversicherungen zahlen bei Rückstauschäden nur, wenn Rückstau ausdrücklich als Baustein eingeschlossen ist, häufig über die Elementarschadenversicherung, und wenn eine funktionsfähige, gewartete Sicherung nachgewiesen werden kann. Fehlt beides, kann die Leistung gekürzt werden oder ganz entfallen. Ebenso wichtig: Für Rückstauschäden haftet in der Regel nicht die Kommune oder der Netzbetreiber, sondern der Eigentümer selbst, da die Pflicht zur Absicherung des eigenen Gebäudes bei ihm liegt. Details dazu finden Sie im Beitrag Rückstau und Versicherung sowie im allgemeinen Ratgeber Wer zahlt bei Wasserschaden.

Was kostet eine Rückstausicherung?

Eine seriöse Angabe ist erst nach einer Begutachtung vor Ort möglich, weil mehrere Faktoren den Aufwand bestimmen: die gewählte Bauart, ob fäkalienhaltiges Abwasser abgeführt wird, der Installationsaufwand und die Zugänglichkeit der Leitung sowie die Wartung über die Lebensdauer. Eine mechanische Klappe ist deutlich günstiger als eine Hebeanlage, dafür deckt sie weniger Anwendungsfälle ab.

Entscheidend ist die Gegenrechnung, nicht der Anschaffungspreis allein: Die Investition in eine passende Rückstausicherung ist eine einmalige, überschaubare Ausgabe. Ein Rückstauschaden zieht dagegen Reinigung, Desinfektion, Trocknung und oft den Ausbau von Estrich und Dämmung nach sich, und viele Versicherer kürzen oder verweigern die Leistung, wenn keine funktionsfähige Sicherung vorhanden war. Tritt durch fehlenden Schutz bereits ein Schaden ein, wird meist eine Wasserschadensanierung nötig, ein weiterer Grund, warum sich die Vorsorge lohnt.

Mehr zum Thema

Vertiefende Beiträge zu einzelnen Aspekten der Rückstausicherung: Wartung und Pflege, Nachrüstung im Altbau, Versicherungsfragen, die richtige Sicherung auswählen, Technik im Vergleich, smarte Systeme, wirksame Vorbeugung, Risiko und Haftung sowie Vorsorge bei Starkregen.

Häufige Fragen

Was passiert, wenn ich keine Rückstausicherung habe?

Bei Starkregen oder einer Kanalverstopfung kann Abwasser in tiefer liegende Räume zurückdrücken und den Keller fluten. Da für Rückstau der Eigentümer verantwortlich ist und Versicherungen oft eine funktionsfähige Sicherung voraussetzen, bleiben Sie sonst auf dem Schaden sitzen.

Wie oft muss eine Rückstausicherung gewartet werden?

In der Regel zweimal jährlich. Dabei werden Klappe und Dichtungen gereinigt, das Schließen geprüft und verschlissene Teile getauscht. Nur eine gewartete Sicherung schützt zuverlässig.

Mechanische Klappe oder Hebeanlage, was ist besser?

Das hängt von der Nutzung ab. Mechanische Klappen reichen für Abläufe ohne WC. Sobald fäkalienhaltiges Abwasser anfällt oder die Räume ständig genutzt werden, sind eine zugelassene Motorklappe oder eine Hebeanlage die sicherere Wahl.

Brauche ich eine Rückstausicherung, obwohl ich noch nie einen Rückstau hatte?

Ja, wenn Entwässerungsstellen unterhalb der Rückstauebene liegen. Starkregenereignisse nehmen zu, und ein einziger Rückstau kann erhebliche Schäden verursachen. Vorsorge ist deutlich günstiger als die Sanierung danach.

Kann ich eine Rückstausicherung selbst einbauen?

Technisch ist das in einfachen Fällen denkbar, empfehlenswert ist es nicht. Eine falsch gewählte oder fehlerhaft eingebaute Sicherung schützt nicht zuverlässig und kann im Schadenfall den Versicherungsschutz gefährden. Der fachgerechte Einbau nach Norm sorgt für Schutz und Nachweisbarkeit.

Rückstauschutz prüfen lassen

Wir prüfen, ob und welche Rückstausicherung Ihr Gebäude braucht, und übernehmen Einbau und Wartung im gesamten Rhein-Main-Gebiet. Mehr dazu unter Einbau und Wartung von Rückstauklappen. Für eine Einschätzung vor Ort und unseren 24h-Notdienst nutzen Sie unser Kontaktformular oder rufen Sie an unter 06181 9838167.

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